"Ein Leben ohne Landseer ist möglich, aber sinnlos" 

Der Landseer imponiert schon allein durch sein äußeres Erscheinungsbild. Groß und majestätisch schreitet er daher und zieht die Blicke auf sich. Manch einer hält beim ersten Kontakt mit diesen Hunden gebannt den Atem an und staunt. Nur allzu oft ist es Liebe auf den ersten Blick und der Wunsch nach einem eigenem Landseer keimt auf. 


Doch wie tickt der Landseer eigentlich und zu wem passt er?

Wer beim Landseer an einen ruhigen Mitbewohner denkt , der wird nur allzu oft enttäuscht. Der Landseer hat Power und davon eher mehr als weniger. Anders als andere Hunde in dieser Größenordnung, braucht der Landseer Action. Er arbeitet viel und gerne und ist schnell unterfordert. Dies gilt natürlich nicht für alle Exemplare, aber eben für viele und man sollte darauf vorbereitet sein. 

Generell kann man die Landseer nicht über einen Kamm scheren. In der Zucht stand seit jeher das Aussehen im Vordergrund und nicht das Verhalten. Wurde bei anderen Rassen die Zuchtwahl auf eine bestimmte Funktion hin getroffen oder die Eignung als Familienhund, so war es beim Landseer stets das äußere Erscheinungsbild, das zählte. Eine Leistungsprüfung zur Zuchtzulassung gibt es bei dieser Rasse nicht. 

Hört man sich unter Landseerbesitzern um, so gibt es von der Schlaftablette bis hin zum Pulverfass sämtliche Extreme hündischen Verhaltens. Auch meine eigenen Landseer könnten nicht unterschiedlicher sein. Es gibt die misstrauischen Wächter und jene, die freundlich auch jeden Einbrecher begrüßen würden. Es gibt die begeisterten Wasserhunde und jene, die um die kleinste Pfütze einen Bogen machen. Es gibt die Hundefreunde und die aggressiven Leinenrambos. Wobei natürlich bei vielen Verhaltensweisen auch die Erziehung eine wichtige Rolle spielt.

Wer den passenden Partner fürs Leben sucht, der sollte sich daher bei der Auswahl gut beraten lassen. Gerade Anfänger sind mit dem überschäumenden Temperament mancher Landseer schnell überfordert. 

Ein Landseer kann durchaus das gleiche Gewicht auf die Waage bringen wie sein Besitzer und diese Masse muss man händeln können. Von Anfang an sollte man daher auf eine gute Erziehung achten, denn Fehler in der Welpen- und Junghundzeit lassen sich später oft nur schwer wieder ausbügeln.

Macht man alles richtig, so hat man die nächsten Jahre einen tollen Begleiter an seiner Seite, der mit einem durch dick und dünn geht. Für viele heißt es daher "Einmal Landseer, immer Landseer". Wer einmal von diesem Virus befallen ist, der kommt davon nicht mehr los und das ist auch richtig so. Ich jedenfalls kann mir ein Leben ohne Landseer nicht mehr vorstellen.

Auf was sollte man bei der Erziehung achten?

Die Erziehung des Welpen beginnt in dem Moment, in dem der neue Mitbewohner unser Haus betritt. Oder eigentlich bereits beim Züchter, der einige Vorarbeit leisten kann oder eben auch nicht. 

Natürlich kann ich auf dieser Seite keinen vollständigen Erziehungsratgeber zur Verfügung stellen, aber es folgen nun trotzdem einige wichtige Aspekte.

Welpenspiel

Jeder Welpe sollte Kontakt zu anderen Hunden haben dürfen, um ein korrektes Sozialverhalten zu erlernen. Im Spiel mit gleichaltrigen Hunden kann er seine Kraft austesten und Energie loswerden. Ganz nebenbei lernt er, welches Verhalten erlaubt ist unter Hunden und welches nicht. 
Eine gute Welpengruppe zeichnet sich dadurch aus, dass hier nur Welpen in ähnlichem Alter und vor allem in ähnlicher Stärke zusammen kommen. Gruppen in denen Hunde jeden Alters durcheinander rennen und die Halbstarken die Welpen mobben, gilt es zu meiden. Der Welpe soll ja schließlich stressfrei lernen dürfen und sich nicht die schlechten Angewohnheiten anderer Hunde abschauen oder im schlimmsten Fall Angst vor anderen Hunden bekommen. 
Auch sollte immer ein erfahrener Trainer anwesend sein, der weiß, wann er eingreifen und übergriffige Hunde korrigieren muss. 
In den gut geführten Gruppen gibt es meist auch kleine Übungseinheiten mit verschiedenen Geräuschen, Untergründen und Trainingsgeräten. So tragen die Welpenstunden wesentlich zur Sozialisierung der Welpen bei.

Befehle

Welche Befehle einem wichtig sind, muss jeder Hundebesitzer selbst entscheiden. In meinen Augen sollte jeder Hund zumindest die Befehle "Sitz", "Platz", "Bei Fuß" und "Aus" zuverlässig beherrschen. Jedes Mal, wenn wir unserem Hund etwas neues beibringen, bedeutet dies Beschäftigung mit unserem Hund und das stärkt die Teambindung. Warum also nicht auch den ein oder anderen Trick erlernen und gemeinsam Spaß haben?

Leinenführigkeit

Einen Landseer hält man nicht mit Kraft an der Leine. Wenn über 50 kg ungehemmt irgendwo hin wollen, dann ziehen wir Menschen in der Regel den Kürzeren. Hier heißt es daher vorbeugen und schon beim Welpen auf gute Manieren an der Leine achten. Denn ist ein Verhalten von Anfang an etabliert, so wird es in der Regel beibehalten. Nun heißt es also Üben, Üben und nochmal Üben. Im Wald, in der Stadt, an der Straße und im Park. Der Hund sollte entspannt an Menschen, Fahrädern und Hunden vorbei laufen, ohne an der Leine zu ziehen. Gerade, was das Vorbeigehen an anderen Hunde angeht, macht manch ein Landseer in der Pubertät Probleme. Man sollte sich dann auf keinen Fall scheuen, Hilfe bei einem guten Trainer zu suchen und das bevor einem das Problem über den Kopf wächst.

Frustrationstoleranz

Wie geht ein Hund damit um, wenn er seinen Willen nicht durchsetzen kann? Der eine gibt auf, der andere geht mit dem Kopf durch die Wand. Viele Hunde müssen lernen mit Enttäuschung richtig umzugehen. Dies fängt schon in jenen Momenten an, wenn der Welpe spielen möchte, wir aber nicht. Nicht erst dann, wenn der Welpe mit seinen Zähnen in unserer Hose hängt, sollte man die Kurve kriegen und gegensteuern. Sonst wird aus dem süßen Landseerwelpen eben nicht der Partner, den man sich so sehnlichst gewünscht hat. 


Das Ruhen

Eine der wichtigsten Lektionen in meiner Welpenerziehung heißt "Ruhen". Der Welpe muss lernen Runterzufahren, um Erlebtes zu verarbeiten. Er muss nicht permanent bespaßt werden und sollte auch nicht zum Mittelpunkt des Sonnensystems erhoben werden. Auch wenn dies manchmal schwer fällt. Der süße Fratz muss lernen, dass er auch mal eine Nebenrolle spielt und brav in seinem Körbchen bleiben muss. Sonst ziehen wir uns selbst einen voll aufgeladenen Duracell-Landseer groß, den wir später kaum noch händeln können.